Nach dem überaus positiven ersten Rückenwind-Tag in Göttingen mit 500 Besuchern in bester Atmosphäre, reicht Rückenwind gemeinsam mit anderen Elterninitiativen, der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben-Gemeinsam Lernen Niedersachsen e.V. und Sinn e.V. eine Petition beim Niedersächsischen Landtag ein.
Hier der vollständige Text des Schreibens an den Petitionsausschuss:
PETITION Gemeinsam für eine bessere Schule
Sehr geehrte Damen und Herren des Petitionsausschusses,
in internationalen Schulvergleichen schneidet Deutschland vergleichsweise schlecht ab. Besonders gute Ergebnisse erreichten Länder, in denen es nicht vorzeitig zu einer Aufteilung der Schüler in „homogene“ Lerngruppen kommt und der Unterschiedlichkeit der Schüler mit individuellen Förderangeboten begegnet wird. Diese Förderkultur setzt ein flexibles Unterrichtssystem und die Aufgabe starrer Strukturen, wie die des drei – oder mehrgliedrigen deutschen Schulsystems, voraus.
Ziel der Gliederung des deutschen Schulsystems war effiziente Unterrichtung; am besten – so die These – lernen die, die weitestgehend gleiche Lernvoraussetzungen teilen. Schüler, die nicht dem Anforderungsprofil entsprechen, müssen um ihren Platz bangen bzw. werden ausgegliedert. Die Orientierung der Gruppenbildung an einer gemeinsamen Leistungsfähigkeit vernachlässigt die Berücksichtigung der gesamten Schülerpersönlichkeit. Nur die Leistungsergebnisse, die sich in Zeugnisnoten niederschlagen, charakterisieren damit den Schüler und „vermaßen“ seine spätere Verwertbarkeit in beruflichen Prozessen. Lernen wird auf das Aufnehmen von Fachwissen verkürzt. Die Bildung und Erziehung der gesamten Persönlichkeit verkümmert, da ihnen kein unmittelbarer Verwertungsnutzen zuerkannt wird. Dem Schüler wird eingeprägt: Nur wenn ich Effizientes leiste, bin ich (etwas wert).
Das deutsche Schulsystem ist aber nicht nur ungeeignet, die Ausbildung einer kompetenten, verantwortlichen Persönlichkeit zu fördern, es ist auch ungeeignet bestmögliche Leistungen der Schüler zu entwickeln. Gleichzeitig führt es zur Diskriminierung und Aussonderung von Menschen aufgrund unterschiedlicher Fähigkeiten, Interessen, einer Behinderung bzw. sozialer Herkunft. Gewalt an der Schule, zwischen Schülern so wie Schülern und Lehrern, Langeweile und ein Anwachsen der Zahl von Schülern mit psychischen Erkrankungen kann auch Symptom dafür sein, dass die Schüler an einem selektiven Schulsystem mit starker Leistungsausrichtung und fehlender Anerkennung und individueller Förderung scheitern und diesem Scheitern Ausdruck verleihen.
Das deutsche Schulsystem hat versagt. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen berücksichtigt und von den international guten Schulkonzepten muss schnell gelernt werden.
Die Unterzeichner fordern den niedersächsischen Landtag deshalb auf, die aktuellen Bildungsstudien gründlich, vorurteilsfrei und öffentlich auszuwerten und ein Konzept mit Zeitplan für die Umsetzung zu erstellen, das konsequente Schlussfolgerungen und nachhaltige Verbesserungen für den Schul- und Vorschulbereich und die Lehreraus- und Weiterbildung beinhaltet.
Insbesondere fordern wir:
- Lernen in einer Schule für alle: mit heterogenen Lerngruppen während einer möglichst langen gemeinsamen Schulzeit, weil nur so die Bildung der gesamten Persönlichkeit und Ausbildung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gewährleistet werden kann.
- Eine schülerorientierte individuelle Förderung und die dafür notwendigen finanziellen Mittel.
- Verpflichtendes Zusammenwirken der Schule mit anderen Leistungsträgern (Jugendhilfe, Sozialämtern, Krankenkassen u.a. ), um unterschiedlich begabten Schülern umfassend notwendige Unterstützung zukommen zu lassen
- Elternwahlrecht bei der Entscheidung über die Schullaufbahn ihrer Kinder. Dieses Elternwahlrecht hat besondere Bedeutung bei der Entscheidung über einen integrativen oder ausgelagerten Lernort für Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf.
- Unverzügliche Anpassung der Lehrerausbildung und -fortbildung an die Fördernotwendigkeiten, die sich aus o. g. Forderungen ergeben.
Dem Petitionsaufruf werden sich weitere Bürger anschließen, deren Unterschriften wir nachreichen werden.
Mit freundlichen Grüßen gez. Erika Weber gez. Annegret König gez. Sven Timm
Kopie des Schreibens an den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen den Kultusminister des Landes Niedersachsen die Fraktionsvorsitzenden der Parteien die Mitglieder des Kultusausschusses
Schreiben an den Petitionsausschuss als PDF downloaden
| Antwort des Niedersächsischen Kultusministeriums |
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| Das Niedersächsische Kultusministerium hat auf die gemeinsame Petition von Rückenwind, Sinn e.V. und der LAG geantwortet. Den vollen Wortlaut finden Sie hier... |  | |