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Gemeinsam leben - gemeinsam lernen e.V. Regionalgruppe Lüchow-Dannenberg

 

3.5.2004

Hilfe!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Wir brauchen Rückenwind!

Fortsetzung der Integration nach der 4. Klasse gefährdet!

Muss 4 Jahre erfolgreiche Integration wirklich abgebrochen werden?

Immer noch und immer wieder muss für integrative Beschulung von Kindern mit Förderbedarf in der Regelschule gekämpft werden!  

Wir leben im Landkreis Lüchow-Dannenberg, auch als Wendland bekannt vor allem wegen der Castor-Transporte.

Unsere Tochter Samantha ist ein fast 11 Jahre altes Mädchen mit Down-Syndrom. In dem kleinen Ort Clenze besuchte sie seit ihrem 3. Lebensjahr den integrativen Kindergarten und stieg ein halbes Jahr vor ihrer Einschulung in die Vorschulklasse an der Astrid-Lindgren- Grundschule – auch in Clenze - ein. Zu ihrer Einschulung wurde eine neue Integrationsklasse an dieser Schule gegründet, die diesen Sommer nach der 4. Klasse zuende ist. Alle Kinder der drei 4. Klassen dieser Schule werden an die Kooperative Gesamtschule (KGS) wechseln, die sich 200 Meter weiter bergan befindet. Viele Kinder haben dort ihre größeren Geschwister, kennen die Schule daher schon ein bisschen und freuen sich. So auch unsere Tochter.

Allerdings soll sie diese Schule nicht besuchen, weil sie behindert ist und besonderen Förderbedarf hat. Für sie und 5 weitere betroffene Kinder, die in ihrer Grundschulzeit eine Regelschule besucht haben, steht die KGS nicht offen.

Die weiterführende Schule, eine Kooperative Gesamtschule mit hohem pädagogischen Anspruch, hat gerade in ihrer Gesamtkonferenz die Aufnahme von Kindern mit Förderbedarf abgelehnt, weil sie sich mit den auf sie zukommenden Problemen bzgl. Abschaffung der Orientierungsstufe, herrschender Raumnot und 6 Kindern mit Förderbedarf überfordert sieht. So ist die absurde Situation entstanden, dass Kinder aus dem gesamten Kreisgebiet und von sehr weit her zur KGS gehen werden, nicht jedoch die SchülerInnen mit Förderbedarf, die seit 4 Jahren an der Grundschule 200 Meter entfernt beschult worden sind. Und das, obwohl von Anfang an völlig klar war, dass wir selbstverständlich weiter integrative Beschulung wünschen.  

Dieser Beschluss bedeutet für uns eine Katastrophe.

Samantha ist sehr gut in ihrer Klasse integriert. Darüber hinaus kennen sie viele, viele Kinder der Jahrgänge drüber und drunter vom Pausenhof, Busfahren, Schwimmbad, von der Musikklasse, Fußballmädchenmannschaft, den Mädchen-action-Tagen und vielem anderen mehr. Sie selbst geht mit ihrer Situation völlig selbstverständlich um und empfindet sich auch nicht als behindert oder benachteiligt oder mit weniger Rechten versehen. Die Kinder der beiden Schulen haben auch durch Samanthas Anwesenheit mehr Selbstverständlichkeit darin erfahren, dass es einfach Kinder mit Behinderung unter uns gibt und wie das so ist. Sie wird nicht bedroht oder ausgegrenzt. Das ist ein ganz wichtiger Erfolg von Integration, dass es normal wird, verschieden zu sein. So profitieren alle Kinder davon: die behinderten Kinder profitieren von dem Lernanreiz durch die nicht-behinderten Kinder, und die nicht-behinderten Kinder lernen viel über die Akzeptanz von Verschiedenheit.  Dies alles soll nun zu Ende sein.  

Wir wollen und werden diese Situation nicht akzeptieren. Für unsere Tochter kommt eine Beschulung an der Sonderschule G nicht in Frage. Auch eine andere Schule ist keine Alternative:

- unsere „besonderen“ Kinder lernen noch mal mehr und wichtiger durch das Vorbild anderer, vor allem von Kindern. Deshalb stellt der Rahmen einer ganz normalen Schule für sie ein riesiges Lernfeld dar.

- unsere Tochter Samantha ist von Anfang an in diesen ganz normalen Bezügen aufgewachsen, kann sich darin bewegen und profitiert enorm davon.

- wir als Familie haben uns in unserer Lebensplanung auf diese integrative Kontinuität eingestellt. Aus diesem Grunde haben wir bereits den Clenzer Kindergarten gewählt, weil wir wussten, dass die Astrid-Lindgren-Schule der Integration gegenüber positiv eingestellt ist und haben genauso fest mit der KGS gerechnet. Samantha ist unter den Kindern, die die Grundschule und die KGS in Clenze besuchen, bekannt und toleriert. Für Samantha ist das SchülerInnen-Umfeld ihr soziales „Zuhause“. Der Wechsel an eine andere Schule, in der die Kinder noch nie mit behinderten Kindern zu tun hatten, macht für Samantha keinen Sinn. Integration ist ja nicht nur ein Beschulungskonzept, sondern eine Lebensweise.

- Der Wechsel an die Sonderschule kommt absolut nicht in Frage für uns. Sie würde aus ihren bisherigen sozialen Bezügen herausgerissen und isoliert allein schon durch die anderen Schulzeiten, die Sonderfahrten mit dem Schulbus und die fehlenden außerschulischen Kontakte mit den Kindern aus ihrer Klasse. Für Samantha wäre das keine angemessene Schulform, sondern der Bruch mit ihrer jetzigen sozialen Realität und eine Abschiebung in eine Sonderbeschulung, die sie in ihrer Entwicklung zurückwerfen wird.

Bitte unterstützen Sie uns in unserem Bemühen, die Beschulung der Kinder an der KGS doch noch möglich zu machen.

Sie können an die Schule: kgs-drawehn-schule@t-online.de oder an die Bezirksregierung, zu Händen Frau Schult: Maria.Schult@br-lg.niedersachsen.de oder an die Außenstelle Uelzen, Herrn Pfeffer Peter.Pfeffer@br-lg.niedersachsen.de schicken.
Schildern Sie eigene positive Erfahrungen mit Integration und senden Sie diese per e-mail an die Schule und die Bezirksregierung (Muster-email zu downloaden). Mailen Sie uns Ideen, wie wir noch mehr Druck für die Fortsetzung der integrativen Beschulung unserer Kinder erzeugen können. (Weitere Ansprechpartner und Unterstützungsmöglichkeiten).  

Vielen Dank!

Regina Dubs und Wolfram Taubitz
Beesem 19
29487 Luckau
05844 / 976677
Regina.Dubs@gmx.de

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